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SPD Petershagen/Eggersdorf
 

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Maifeiertage

Allgemein

Der 1. Mai ist als Tag der Arbeit in Deutschland und vielen anderen Staaten ein gesetzlicher Feiertag. Die wichtigsten Ausnahmen sind (neben Japan) die USA, wo der „Labor Day“ am ersten Montag im September begangen wird. Das wirkt insofern etwas paradox, da gerade dieser Feiertag auf Ereignisse in den Vereinigten Staaten Nordamerika zurück geht.
Traditionell war der 1. Mai in den USA ein Stichtag für den Abschluss, die Verlängerung oder Kündigung von Verträgen, z. B. einem Wechsel der Arbeitsstelle. Nicht von ungefähr riefen die nordamerikanischen Gewerkschaften für den 1. Mai 1886 zu einem mehrtägigen General-streik zur Durchsetzung des Acht-Stunden-Tages auf. Die eher bescheidenen Ergebnisse wur-den überschattet von der Explosion einer Bombe während einer Kundgebung am Haymarket in Chicago. Durch sie und den nachfolgenden Einsatz der Polizei kam es zu zahlreichen Toten und Verletzen. Acht Anarchisten wurden deswegen angeklagt, ohne ausreichende Beweise verurteilt und vier von ihnen gehenkt. In der Folge rief die Zweite Internationale zum Geden-ken an die Opfer den 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ aus. Am 1. Mai 1890 wurde zum ersten Mal dieser „Protest- und Gedenktag“ mit Massenstreiks und Massende-monstrationen in der ganzen Welt begangen.
In Deutschland beschloss die seit 1890 wieder legal zugelassene SPD auf einem Parteitag im gleichen Jahr, den 1. Mai als dauerhaften „Feiertag der Arbeiter“ einzuführen. Obwohl es in den kommenden Jahren immer wieder zu Umzügen und Feiern am 1. Mai kam, gelang es doch erst eine Generation später, und dann auch nur teilweise, dieses Ziel durchzusetzen. Der 1. Mai 1919 war zwar nach dem Mehrheitswillen der Weimarer Nationalversammlung ein gesetzlicher Feiertag, blieb es aber nach 1922 nur noch in einigen wenigen Ländern des Deut-schen Reiches, darunter in Sachsen. Zum „Blutmai“ wurde der 1. Mai 1929, als es im Verlauf einer verbotenen Demonstration der KPD in Berlin zu wilden Schießereien mit der Polizei kam, bei der 28 Personen getötet wurden. Ein Lehrstück für den politischen Missbrauch des 1. Mai führten die Nationalsozialisten im Jahr ihrer „Machtergreifung“ vor: Im April 1933 hatte Hitler den 1. Mai zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ erklärt; am 2. Mai ließ er die Gewerk-schaften zerschlagen und viele ihrer Funktionäre verhaften. Als Gelegenheit zu staatlichen inszenierten Paraden, Aufmärschen und Leistungsschauen war der 1. Mai den Nazis allerdings weiterhin willkommen.
Fast ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Deutschland bestätigte der Alliierte Kont-rollrat im April 1946 den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag. Nach der Gründung der beiden deutschen Staaten war es sowohl in der DDR wie in der BRD. Die politischen Entwicklungen gingen jedoch auseinander. In der DDR wurde der 1. Mai als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ begangen. Die Teilnahme war für Be-triebe und Schulen mehr oder weniger Pflicht. In Ostberlin wurde seit 1951 der Marx-Engels-Platz (jetzt wieder Schlossplatz) zum zentralen Kundgebungsplatz. Von 1956 bis 1976 eröff-nete dort eine Militärparade die Maifeiern. Im Westen ist der 1. Mai seit jeher gesetzlicher Feiertag in allen Bundesländern, allerdings mit unterschiedlichen amtlichen Bezeichnungen. 1951 begründete der Deutsche Gewerkschaftsbund die Tradition, die politischen Kundgebun-gen mit kulturellen Veranstaltungen zu umrahmen. Der Festtag in Frühling, möglichst kombi-niert mit Brückentagen, wurde gern zu privaten Familienausflügen genutzt und verlor zuneh-mend seinen Charakter als „Kampftag der Arbeiterbewegung“. Die Entstehung des 1. Mai aus einer antikapitalistischen Gegenkultur zeigte sich in manchen deutschen Großstädten, auch in Berlin, vor allem in unschönen Gewaltaktionen. Dagegen konnte bei den offiziellen Feierlich-keiten in Ost und West die Gefahr, in leeren Ritualen zu erstarren, nicht immer gebannt wer-den. Die Entwicklung in den zwei Jahrzehnten nach der Wende zeigt, dass „Arbeit“ immer noch ein Thema ist, das nicht mit Floskeln und Sonntagsreden zugekleistert werden sollte.

H. Krahnke, nach einer Zusammenstellung des DGB